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Seit ca. 10 Jahren ist Dr. Peter Krapf Mitglied des Kneipp Verein Trier e.V. und im Kneippärztebund, der traditionsreichsten Ärztegesellschaft in Europa, die sich mit Forschung und Lehre der klassischen Naturheilverfahren befasst. Was ihn bewog, als 1. Vorsitzender zu kandidieren und wie er helfen möchte, das etwas „verstaubte“ Image der Lehre von Sebastian Kneipp aufzupolieren, berichtete er im folgenden Interview.

 

Kneippverein: Herr Dr. Krapf, ist Sebastian Kneipp noch aktuell? 

 

Dr. Krapf: Als Ernährungsmediziner DAEM/DGEM weiß ich, Kneipp ist z.B. bezüglich seiner damaligen Ernährungsempfehlungen sehr aktuell. Kneipp empfahl bereits zu seiner Zeit eine einfache, nahrhafte Kost. Hier stimmt er mit den heutigen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in vollem Umfang überein. Eine ausgewogene Ernährung bildet den Grundstein für ein gesundes und aktives Leben. Von Pfarrer Kneipp stammt das Zitat „Wenn du merkst, du hast gegessen, dann hast du schon zu viel gegessen“. Tatsächlich tritt ein Sättigungsgefühl erst nach 15 bis 20 Minuten ein. Diese Erkenntnis spielt bei den modernen Ernährungsprogrammen, z.B. dem ärztlichen Bodymed Ernährungskonzept eine entscheidende Rolle, das wir vor kurzem in unser Kursprogramm aufgenommen haben.

 

Kneippverein: Das heißt, wer sich nach Kneipp ernährt, ist gertenschlank und verzichtet auf jedwede kleine, leckere Sünde?

 

Dr. Krapf: Nein, Kneipp selbst war kein Asket- im Gegenteil. Vielmehr beinhaltet die von ihm empfohlene einfache, nahrhafte z.B. das Umsteigen von Weißbrot zu Vollkornbrot. Heute wissen wir, gerade da befinden sich die wertvollen Ballaststoffe, die beispielsweise helfen unsere Blutfette zu senken und der Gefäßverkalkung vorzubeugen.

 

Kneippverein: Neben der Ernährung, gehört die Lehre der Heilpflanzen ebenso zum kneippschen Gesundheitskonzept. Das klingt aber tatsächlich etwas angestaubt und wenig aktuell...

  

Dr. Krapf: Ganz im Gegenteil, die sog. Phytotherapie ist aktueller denn je! Heutzutage besteht ein zunehmendes Bedürfnis und eine steigende Nachfrage nach etablierten naturheilkundlichen Therapieverfahren. Dies beruht angesichts zunehmender Umweltbelastungen und zunehmenden Stressbedingungen nicht zuletzt auf einem zunehmenden Anteil an Patienten mit Befindlichkeitsstörungen, Fibromyalgiesyndromen, psychovegetativen Erschöpfungszuständen sowie nicht mehr eindeutig zuzuordnenden Krankheitserscheinungen, die durch das „schulmedizinische Raster“ fallen. Das über Jahrhunderte angesammelte Wissen über die heilende Wirkung von Pflanzen ist heute vielfach wissenschaftlich belegt. Kneipp war damals seiner Zeit weit voraus und revolutionierte die Naturheilkunde. Wie wichtig ihm die Phytotherapie war zeigt sich im folgenden Zitat: „Jahrelang habe ich mehr mit Kräutern als mit Wasser kuriert und dabei die schönsten Erfolge erzielt.“

 

Kneippverein: Das klingt so, als würden Sie sich auch in ihrer täglichen Praxisarbeit häufig mit dem Thema Naturheilverfahren befassen...

 

Dr. Krapf: Durch meine orthopädische Ausbildung in Saarlouis unter der Leitung von Prof. Hess, wurde mein Interesse an Naturheilverfahren schon früh geweckt. Prof. Hess war viele Jahre Teamarzt unserer Fußballnationalmannschaft und setzte vielfach naturheilkundliche Produkte nicht zuletzt wegen Dopingrichtlinien bei Sportlern ein. Er machte so erst viele heutzutage namhaften Präparate „salonfähig“. Dadurch entstand schon früh der Bogen zur Naturheilkunde. Meine Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren erwarb ich durch zahlreiche Fortbildungen, insbesondere in Bad Wörrishofen, dem Wirk- und Sterbeort von Kneipp. Aber Sie haben recht: Naturheilkundliche Präparate setze ich vielfältig in meiner Praxis ein. Bekanntlich ist die Phytotherapie eine Domäne der Naturheilkunde. So wirkt Arnika, eine der Lieblingspflanzen von Kneipp bei Prellungen und Quetschungen, aber auch bei Magen und Zwölffingerdarmgeschwüren...

 

Kneippverein: Arnika ist mit Gold nicht zu bezahlen, so Pfarrer Kneipp...

 

Dr. Krapf: ...Korrekt! Und auch bei orthopädischen Erkrankungen, wie Arthrose oder Rückenleiden, finden wir in der Naturheilkunde geeignete Mittel: So wirkt die Pestwurz entkrampfend und wird zur Therapie bei Rückenschmerzen und Migräne eingesetzt. Pflanzliche Enzyme wie Papain aus dem Melonenbaum und Bromelain, das Ananasextrakt, finden bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen und bei Arthrose Anwendung.

 

Kneippverein: Wenn Sie von Rheuma und Arthrose sprechen, denken unsere Leser zwangsläufig an eher ältere Personen. Ist denn Kneipp auch eher etwas für Ältere?

 

Dr. Krapf: Oh nein! Es gibt sogar Kneipp Kindergärten, in denen die Kneipplehre den Kindern näher gebracht wird. Wie schon eingangs gesagt, hoffen mein Vorstandskollege Johannes Warth und ich, frischen Wind in den Kneipp Verein Trier bringen zu können. Bereits jetzt bieten wir ein interessantens Sport- und Bewegungsprogramm an, um von dem „verstaubten“ Image, das Kneipp völlig zu Unrecht heute anhaftet, weg zu kommen. Die Aufnahme unseres Trierer Kneippvereins in den Sportbund Rheinland ist beantragt.

 

Kneippverein: Das bedeutet, Sport und Alter schließen sich aus?


Dr. Krapf: Keineswegs. Bewegung hilft fit zu bleiben oder fit zu werden. Bis etwa zum 30. Lebensjahr wird die maximale Knochenmasse aufgebaut. Um das 40. Lebensjahr setzt der “normale“ Knochenabbau ein. Gerade bei Osteoporose, bzw. Osteoporosegefahr, empfiehlt sich Sport. Hier sollte jedoch eine Knochendichtemessung, z.B. eine DXA Messung, und eine Untersuchung und Beratung durch einen Osteologen vorliegen. Wer keinen Sport treibt, verliert mit steigendem Alter Muskelmasse und erhöht damit die Sturzgefahr. Kraft und Beweglichkeit sind gut, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination zumindest noch recht gut bis ins hohe Alter trainierbar. Sinnvoll sind Sportarten, bei denen keine Sturzgefahr besteht. Wandern, (Nordic-)Walking, Jogging, Schwimmen oder auch Rad fahren sind gut für die Ausdauer. Am bedeutsamsten erscheint mir jedoch das medizinische Krafttraining unter der Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten. Als langjähriger Rückenschullehrer kann ich den Besuch einer Rückenschule nur dringlich empfehlen. Wir haben daher begonnen, unser Kursprogramm auch in diesem Bereich aufzubauen.

 

Kneippverein: Um bei der Bewegung zu bleiben: Hier setzt das Kneipp Konzept doch ebenfalls vielfältig an?

 

Dr. Krapf: Kneipp erkannte bereits zu seiner Zeit die Bedeutung von Bewegung und sportlicher Betätigung. Zu seiner Zeit legten die Menschen noch bis zu 20 km täglich zu Fuß zurück. Ein Kind läuft, hüpft und springt heute noch ca. 8 km am Tag. Der Erwachsene, der oft beruflich einer rein sitzenden Tätigkeit nachgeht schafft noch keine 1000 Meter. Daher tut Bewegung mehr denn je gut. Kneipp äußerte sich schon damals: „Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet". Ich hoffe an dieser Stelle auch um die Mithilfe renommierter Vereine unserer Region, die vielleicht noch Laufpartner suchen, bzw. Kursteilnehmer für Walking und Nordic Walking. Ich bin seit fast 10 Jahren zertifizierter Nordic Walking Instructor und kann nur jedem Interessierten dazu raten, eine versierte Schulung mitzumachen. Hier haben wir in unserem Kursprogramm eine kompetente und erfahrende Kursleiterin finden können. 

 

Kneippverein: Kneipp ist landläufig als Wasserdoktor bekannt. Sie haben bereits eingangs darauf hingewiesen, dass Kneipp jedoch deutlich mehr als Wassertreten ist. Dennoch hat Wasser können Sie darauf aktiv Einfluss nehmen?

 

Dr. Krapf: Als Kneipp an Tuberkulose erkrankte, heilte er sich selbst mit kalten Bädern in der Donau. Daraus entwickelte er ein ganzheitliches Gesundheitskonzept. Die Wirkung der Keippschen Wasseranwendungen beruht auf der Stärkung der Selbstheilungskräfte unseres Körpers durch milde bis kräftige Reize, die den Blutkreislauf anregen und unseren Stoffwechsel beeinflussen. Als Orthopäde mit der Zusatzbezeichnung "Physikalische Therapie" kann ich derartige Therapien nur empfehlen. Sie werden von mir in unserer Praxis durchgeführt oder verordnet. Besonders freue ich mich hier auch über die Zusammenarbeit mit dem Bad an den Kaiserthermen in Trier, mit weiteren Partnern im Bereich der Aqua-Fitness stehen wir bereit in Gesprächen. Hier ist uns unter anderem sehr wichtig, dass auch berufstätige Mitglieder oder Interessiertean einem ausgewogenen Programm teilnehmen können. Gerade das Bad an den Kaiserthermen bietet hier einen guten Ausgleich zum Feierabend an.

 

Kneippverein: Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, den wir bereits mit ihrem Vorstandskollegen Johannes Warth besprechen konnten. In Zeiten von Burn-out und einem massiven Anstieg von Stress und Zeitdruck in Beruf und Alltag, sind der Ausgleich zum Feierabend und das "abschalten können" zu einem wichtigen Faktor geworden.

 

Dr. Krapf: Kneipp fasst diese unter dem Begriff der Ordnungstherapie zusammen. Sicherlich ist dieser Begriff Ordnungstherapie etwas „verstaubt“. Die Problematik ist aber, wie selbst angemerkt haben, aktueller denn je! Eine gute Balance zwischen Körper und Geist und ein vernünftiges Verhältnis zwischen An- und Entspannung im Alltag wirken sich nachhaltig positiv auf den gestressten Organismus aus. Wir wissen heute, dass ein Großteil der Rückenschmerzen zumindest teilweise psychisch überlagert sind. Nicht zuletzt führen die Probleme der Lebensbewältigung, wie dem Burnout-Syndrom, zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit. Kneipp erkannte schon damals „erst als ich die Seele mit einbezog, kam ich zum Erfolg“. Mit großem Interesse habe ich in diesem Zusammenhang das Interview von Dipl. Psych. Stefan Hartmann gelesen, der hier interessante und zeitgemäße Möglichkeiten der inneren Balance mit autogenem Training erzielen kann. Aber auch andere Entspannungstechniken wie Yoga oder  Meditation, werden im Laufe des Jahres in unser Kursprogramm aufgenommen.

 

Kneippverein: Das bedeutet, wer sich an den Kneipp Säulen orientiert und sich um ein ausgewognenes Verhältnis zwischen An- und Entspannung bemüht, kann aktiv seine Rückenschmerzen bekämpfen?

 

Dr. Krapf: Ich glaube, dass gesundheitliche Probleme oft, wie schon von Kneipp propagiert, einer ganzheitlichen Betrachtung bedürfen. Kneipp selbst führte seine Krankheit auf die Umstellung seiner gesamten Lebensweise zurück. Nehmen wir zum Beispiel den von ihnen angesprochenen Beschwerekompley Rückenschmerzen: Das Sitzen über den Büchern in schlecht geheizten Zimmern, der fast völlige Mangel an Bewegung und die wenig vitaminreiche Nahrung machte Kneipp als Gesamtheit für seine Schwäche verantwortlich. Viele Störfaktoren spielen hier eine Rolle, die beseitigt, bzw. verbessert werden müssen um nachhaltig Erfolg zu haben. Auf die heutige Zeit bezogen, ist die ergonomische Einrichtung eines Steh-Sitz-Arbeitsplatzes mit individuell einstellbarem Bürostuhl oft notwendig zur Erhaltung der Arbeitskraft...

 

Kneippverein: ...hier setzt die Zusammenarbeit mit ihrem Vorstandskollegen Johannes Warth dann sinnvoll an...


Dr. Krapf: ...das ist richtig. Die Unterstützung durch einen geprüften Büroeinrichter und zertifizierten Ergonomieberater (AGR), der sich seit Jahren mit Gesundheitsproblemen am Arbeitsplatz befasst, erachte ich hier als naheliegend und hilfreich. Im Übrigen engagieren wir uns beide in der Aktion Gesunder Rücken e.V, die mich jüngst als Referent für rückengerechte Verhältnisprävention (AGR) zertifizierte. Ich empfehle stets die Berücksichtung des unabhängigen Prüfsiegels der AGR. Es zeichnet ausschließlich Produkte und Dienstleistungen aus, die ihre rückengerechte Konstruktion und Fachkenntnis vor einer unabhängigen Prüfkommission mit Experten aus verschiedenen medizinischen Fachbereichen unter Beweis gestellt haben. In meinen Vorträgen zum Thema Rückenschmerzen gehe ich hierauf näher ein - Sie sind herzlich eingeladen. Die Daten meiner Vorträge finden Sie immer aktuell im Kurs- und Veranstaltungsprogramm unserer Website.

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